Andreas Helmling Bildhaueratelier: Texte zur Kunst

Mein Stahl

Mein Stahl

Mein Stahl ist nicht leblos, sondern voller Leben.

Er spricht und korrespondiert mit mir und reagiert auf mich und seine Umgebung.

Mit allen Kräften setzt er sich mir entgegen, bleibt zäh und widerspenstig und speichert die Kraft, die ich aufwenden muß, um ihn dennoch zu formen.

Er quietscht wie ein Kind und lärmt wie ganze Menschenmassen, er dröhnt und donnert wie Wotan, wie Zeus.

Das Spektrum seiner Klänge ist größer als der tonale Umfang der Stimmlage jedes anderen Sängers.

Er fließt als lebenswichtiger Stoff, als Eisen in meinem Körper.

Auf meinen Schweiß reagiert er mit Rosten.

Mit jeder neuen Oberflächenschicht und Anwitterung erzählt er Geschichten - von dem über ihn hingezogenen Wetter, erzählt bisweilen auch, welche Schläge, Tritte und Verletzungen er erfahren hat.

Manches alte Blech berichtet von seiner Reise durch die Zeit, von Anstrichen und Übermalungen, den verschiedenen Zwecken, denen es schon gedient haben mag - was es wohl alles gesehen und erlebt hat.

Stahl lebt, wird älter, zerfällt vielleicht irgendwann, wenn er sein Leben erfüllt hat, wie wir, wie ich.

Er ist elastisch und zäh, manchmal auch spröde, federnd oder hart – so wie auch die Menschen unterschiedlich zueinander sind.

Im Sommer ist er heißer als Holz, im Winter kälter als Eis.

Er dehnt und streckt sich wie der Sonnenanbeter in der Wärme und er zieht sich zusammen, wenn es kalt wird - wie eine Katze.

Er hält nahezu alle Bauten zusammen, überspannt Täler und Meere, hilft als vielgesichtiges Werkzeug und Handerweiterung zu arbeiten, zu heilen, zu essen, zu pflegen.

In Form unterschiedlichster Fahrzeuge bringt er mich durch die Welt – von den tiefsten Meere bis in die Weiten des Raums.

Im Zentrum unseres Planeten hält er ihn zusammen und die ganze Erde im Zusammenhalt im Planetensystem.

Andreas Helmling 24.10.2005

Meine Kunst

Meine Kunst

Meine Kunst ist verspielt und zärtlich

bisweilen grob und direkt,

fein auch,

emotional,

vielfältig und diffus,

analytisch reflektiert,

konzentriert und zielgerichtet,

bruchstückhaft

und nach Vollendung suchend,

komplex und einfach,

tief und hoch,

mein EIN

und ALLES

 

                                                                   Andreas Helmling 19.04.05

 

Tetraedierung


Tetraedierung

Im Frühsommer 1983 entwickelte ich für eine Vielzahl von Figurthemen eine
neue Formsprache, deren Grundkörper das Tetraeder ist, das verschoben,
gelängt oder verkürzt, in Abfolgen und Durchdringungen Raumgebilde schafft –
überhaupt Raum proportioniert – Raum, das eigentlich künstlerische Material
des Bildhauers, bearbeitet.
Zur Überprüfung meiner Raumvorstellungen beobachte ich die Natur. Dies, da
ich immer wieder erfahre, dass die Vorstellung von Proportion und Schönheit
ihre Maßstäbe aus der Natur bezieht – Natur, die der Gradmesser des
Ästhetischen ist. Die Themen sind meist Flugformen – ägyptischer Horusfalke,
Adler, Flugsaurier, Raben – frei bewegte und frei sich bewegende Körper im
Raum, deren Dynamik und leichte Konstruktion von hoher Stabilität mich für
die Arbeit in Eisen reizt.
In Stahl wurden zunächst wehrhafte, dynamische Tiere formal untersucht und
bildnerisch umgesetzt, vom Stier ausgehend schließlich der ganze Tierkreis,
erweitert durch reduzierte Menschendarstellungen, so auch zeichenhafte Idole
und Gruppen von Figuren.
Viele wurden auch in Reliefform umgesetzt.
In den folgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche Tetraederskulpturen als große
Platzzeichen im öffentlichen Raum realisiert – zuletzt die teils
collagehaften Engel 2006.

Andreas Helmling, 2011

Raumverständnis

Raumverständnis - Meine Seh-, Denk- und Arbeitsweise im Raum – grundsätzlich wahrgenommen:

1 Punkt im Raum – 1 Punkt

2 Punkte im Raum – 1 Linie

3 Punkte im Raum – 1 Ebene

4 Punkte im Raum – 1 Körper (sofern die Punkte nicht auf einer Ebene liegen)

Es geht mir darum, mit möglichst wenig Definition ( = Variablen = Punkten im Raum) möglichst komplexe, expressive Strukturen zu schaffen. Hierbei ist die Veränderung des Ausdruckes und des Charakters der Skulptur durch die Veränderung einer ihrer Variablen genau nachvollziehbar.

Ich denke hierfür in verschiedenen Ebenen, deren Schnittlinien und Schnittpunkten und deren Beziehungen zueinander im Raum, variiere, proportioniere diese um - denke so in Geweben von Raumlinien, zeichne diese Formideen auf, in „Raumzeichnungen“ mit Eisenstangen. Farbige Pappmodelle ermöglichen mir eine gute räumliche Orientierung bei der Erarbeitung neuer Skulpturen.

Ich arbeite mit Stahlblechen, flächigem Material, welches ich schneide und zusammenschweiße um hohl aufgebaute Skulpturen aus Stahlblechen zu schaffen, die Vollvolumenkörper darstellen.

 

Andreas Helmling, 2011

Frage nicht

                                                  Frage Nicht

Frage nicht,

was die Kunst

für dich tun kann!

 

Frage lieber,

was Du für die Kunst

tun kannst!

 

John Fitzgerald Kennedy,

bei seiner Amtseinführung

als 35. Präsident der USA

am 20. Januar 1961

 

(Text wurde vom Künstler 2008 leicht geändert;-)